Unser Tinder Testbericht – das Wischen zum großen Glück?

Die erste Seite der Dating-App Tinder mit dem Facebook-LoginMatch.com brachte 2012 die moderne Flirt-App mit dem Namen Tinder auf den amerikanischen Markt. 2014 wurde das Angebot auf Europa ausgebreitet. Seitdem kann man auch in Deutschland über das Display fahren und so das Aussehen eines anderen Users für attraktiv befinden. Die Applikation für das Smartphone erfreute sich vieler Berichte, und obwohl sie immer als Casual- oder Erotik-App angesehen wurde, melden sich immer mehr Singles an.

So stiegen die Mitgliederzahlen im Jahr 2014 von 250.000 auf 800.000 binnen kürzester Zeit. Laut Angaben des Unternehmens haben mittlerweile auch hierzulande 2 Millionen Menschen die App auf ihr Smartphone heruntergeladen. Auch wenn man durch diese Plattform sicherlich nicht die große Liebe finden kann, so kann man doch seinen „Marktwert“ feststellen und vielleicht auch den einen oder anderen Flirt beginnen.

Die Suche erfolgt dabei relativ einfach über ein Matching-Spiel. Man sieht die Bilder von Singles aus der Umgebung. Ein Wischen nach links ist dabei ein Nein. Durch das Fahren nach rechts mit dem Finger auf dem Smartphone signalisiert dabei gefallen am anderen User. Wenn sich zwei Nutzer positiv bewerten, wird es als Match angezeigt und die Kommunikation über das Chat-Nachrichtensystem kann beginnen.

Die Erfahrungen unserer Tester mit der Dating-App waren dabei sehr gemischt. Sicherlicht macht das Kennenlernen über das Matching-Spiel sehr viel Spaß. Es ist einfach, unkompliziert und wer bewertet nicht gerne das Aussehen anderer Menschen? Die Atmosphäre ist ebenfalls sehr locker und zielführend. Es läuft alles auf ein schnelles erstes Date heraus. Lange Mails sind hier nicht erwünscht. Aber vor allem beim Thema Langlebigkeit hat die Kennenlern-App ihre Schwächen. So melden sich viele User nach einiger Zeit wieder ab, weil das System auf Dauer doch ein wenig langweilig ist.

Die Mitglieder der Flirt-App – junge Singles

Das Design und die Funktionen der Anwendung für das Handy richten sich klar an eine jüngere Zielgruppe. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die 18- bis 24-Jährigen die größte Gruppe darstellen. Wobei die User mit einem Alter zwischen 25 und 34 nur knapp dahinter sind. Mitglieder höheren Alters gibt es zwar ebenfalls, aber sie stellen eine Minderheit dar, sodass hier die Erfolgschancen zum Kennenlernen relativ gering sind.

Die Absichten der User sind dabei recht verschieden. Einige wollen sicher nur ihren „Marktwert“ überprüfen. Andere suchen einen One-Night-Stand oder auch eine lockere Beziehung für Gelegenheitssex. Daneben gibt es auch Nutzer, die neue Freunde finden wollen oder sogar die große Liebe im Blick haben. Letztere bilden aber nur eine kleine Gruppe. Am Ende muss man gestehen, dass dieses Portal für Affären, Seitensprünge und gelegentliche Sextreffen sehr gut geeignet ist. Wer mehr möchte, muss lange suchen, oder sollte gleich andere Portale wie PARSHIP oder LoveScout24 verwenden.

Dabei ist die Basis zum Zusammenkommen recht umfangreich. So nutzen laut den Statistiken des Unternehmens die Mitglieder pro Tag 90 Minuten lang die App. Dabei können über 1 Milliarde Bewertungen weltweit verzeichnet werden. So gibt es beim Dating-Spiel 12 Millionen „Matches“ pro Tag. Man wird demnach schnell andere Singles finden, mit denen sich Gespräche ergeben, auch wenn diese manchmal etwas oberflächlich sind.

Das Bild als Hauptaugenmerk – die Profile der Singlebörse

Die Flirtanzeige bei Tinder mit großen Bildern und den Möglichkeiten zur Bewertung des NutzersDas Herzstück bei den jeweiligen Steckbriefen stellt das eigene Foto dar. Bei der Suche wird es prominent und sehr groß auf dem Smartphone angezeigt. Darunter hast du dann die Möglichkeit, deine Bewertungen abzugeben. Viele Dating-Apps in unserem Vergleich legen auf die Erscheinung viel Wert. Falls du nicht wischen möchtest, reicht ein Druck auf das rote Kreuz oder das grüne Herz aus. Außerdem sind noch Angaben zu der Anzahl der Fotos und den Freunden vorhanden. So siehst du auf einem Blick, wie beliebt das Mitglied ist.

Für die Erstellung des Profils wird ein Facebook-Login benötigt. Wenn du keinen Account bei dem sozialen Netzwerk hast, kannst du die Dating-App nicht nutzen. Die Daten werden dann automatisch übernommen. Auch wenn dieser Vorgang sehr schnell vonstattengeht, ist das Vorgehen vor allem in Bezug auf den Schutz der Privatsphäre recht zweifelhaft. Zusätzlich musst du auch dein Profil mit durch einen SMS-Code verifizieren lassen. Auch wenn es sich hierbei um eine Sicherheitsmaßnahme handelt, ist sie eigentlich überflüssig, da die meisten Nutzer einer Flirt-App ein Handy zur Ausführung der Anwendung haben. Eine Verifizierung via Handykamera wäre deutlich effektiver, was den Schutz der User angeht.

Die persönlichen Informationen werden sehr übersichtlich in tabellarischer Form dargestellt. Einen Begrüßungstext gibt es jedoch nicht, sodass vor allem das eigene Aussehen überzeugen muss. Unsere Tester empfanden es insgesamt recht oberflächlich, aber die Nutzer mögen es!

Kontakt über das Chat-Nachrichtensystem

Im Bereich der Kommunikationsmöglichkeiten bietet das Portal nur eine Funktion. Das Kennenlernen erfolgt über den einen eigenen Chat. Das Design entspricht dabei dem Aussehen von WhatsApp, sodass man sehr übersichtlich sehen kann, mit wem man was geschrieben hat.

Unsere Tester waren dabei sehr überrascht, wie unkompliziert dabei das Zusammenkommen ist. Durch die Bekundung des gegenseitigen Interesses ist die Kommunikation viel zielgerichteter als bei anderen Partnerbörsen, sodass man hier relativ schnell zum gewünschten Ergebnis kommt und direkt Fragen zu den Absichten der anderen Person stellen kann. Lange Einleitungen wie bei PARSHIP oder ElitePartner sind hier nicht notwendig.

Tinder Plus – die Kosten der Partnersuche

Jede Flirtseite wirbt mit einer kostenlosen Anmeldung oder einem kostfreien Download der App. Bei dieser Kontaktbörse ist es nicht anders. Allerdings können auch in der Basis-Mitgliedschaft Nachrichten verschickt und gelesen werden. Dies ist nicht bei allen Partnervermittlungen selbstverständlich. Dennoch gibt es auch hier Premium-Funktionen, die das Flirten erleichtern sollen.

So gibt es das Feature „Reisepass“ und eine „Undo“-Taste, wenn man einen Plus-Account besitzt.  Letztere kann beim Dating-Spiel einen falschen „Wischer“ rückgängig machen. Vor allem Männer entscheiden sehr schnell über die Attraktivität und manchmal stellt sich die Entscheidung nach kurzer Zeit auch als falsch heraus. In diesem Falle kann man die letzte Bewertung zurückziehen.

Die Reisepassfunktion gestattet auch die Umkreissuche um einen bestimmten Ort. Normalerweise wird der Standort über den GPS-Chip ausgelesen und nur Nutzer in unmittelbarer Umgebung angezeigt. So kann man auch User in fremden Städten oder anderen Ländern finden. Wenn vor einer Geschäftsreise also eine Affäre oder den Seitensprung vorbereiten möchte, wird man diese Funktion schätzen.

In der Plus-Mitgliedschaft gibt es außerdem für das Flirt-Spiel keinerlei Kontingente. Normalerweise ist das Winschen auf 40 Likes begrenzt, damit man nicht zu viele Personen auf einmal attraktiv befinden kann. Mit einem kostenpflichtigen Account werden auch diese Begrenzungen umgegangen.

Unsere Tester haben verschiedene Preise angezeigt bekommen, daher können wir dir an dieser Stelle keine Kostentabelle präsentieren. Die magische Grenze scheint dabei bei 28 Jahren zu liegen. Darunter kann man mit geringen Beträgen von 5,50 Euro rechnen. Ältere User müssen dagegen Angebote von circa 20 Euro in Anspruch nehmen. Derzeit scheint der Anbieter noch auszuprobieren, welche Gebühren in Ordnung sind, da sich die Preise auch bei gleichem Alter manchmal unterschieden haben in unseren Test.

Privatsphäre und Sicherheitsmaßnahmen

Im Bereich des Datenschutzes gibt es den größten Nachholbedarf. Vor allem, wenn man sich genauer die Bestimmungen ansieht, wird man feststellen, dass viele Vorgehensweisen vorhanden sind, die für europäische Verhältnisse eher ungewöhnlich sind. So kann der Anbieter umfangreiche Background-Checks vornehmen. Das beinhaltet unter anderem den Abgleich mit Informationen aus Sexualstraftäterdatenbanken. Außerdem darf der Inhalt sämtlicher Direktnachrichten geprüft werden. Deine hochgeladenen Fotos können ebenso auf die Eigentumsrechte untersucht werden. Laut Angaben des Portals gibt es hierfür einen eigenen Copyright-Agenten.

Kundeninformationen werden zum Zwecke der Werbung gesammelt und an Dritte weitergegeben. So gab es beispielsweise bereits mit Gillette eine Kooperation, um zu testen, ob ungepflegtes Haar Auswirkungen auf die Attraktivität hat.

Das Problem des sogenannten Tinder-Stalkins ergibt sich aus der Nutzung des Facebook Logins. Das Hauptbild der Social-Media Plattform wird dabei übernommen. Wenn man folglich einen Screenshot vom Smartphone nimmt und diesen so zuschneidet, dass nur das Foto sichtbar ist, kann man über die Google-Rückwärtssuche der Bilder zu dem jeweiligen Profil gelangen, wenn der andere Nutzer diese nicht in eine private Galerie verschoben hat. Ansonsten kann man auch über die Suchmaschine tineye.com nähere Informationen zur Ausgangsseite bekommen.

Damit dir so etwas nicht passiert, empfehlen wir dir, nie das gleiche Bild auf Social-Media Plattformen und Singlebörsen zu verwenden. Außerdem solltest du auch bei Facebook eher eine Chiffre nutzen und nie deinen bürgerlichen Namen. Nach der Anmeldung von Facebook musst du dein Profilbild entweder sofort ändern, oder es in eine private Galerie verschieben. Dann kann keine Rückwärtssuche mehr erfolgen.

Abschließen lässt sich sagen, dass wir zwar keine Fake-Profile mit „Schummlern“ auf der Flirtseite gefunden haben, welche andere User um Geld betrügen wollen, aber dennoch haben nicht alle Mitglieder ernste Absichten. So wollen einige Nutzer nur sehen, wie beliebt sie sind, und suchen eigentlich nicht nach Freunden oder der Liebe.

Reisepass-Funktion zur Vorbereitung der Romanze

Da die Suche hier über ein Dating-Spiel gewährleistet wird, möchten wir dieses nicht als gesondertes Feature vorstellen. Viel interessanter fanden wir die Option des Reisepasses. Die maximale Reichweite der „normalen“ Flirtvorschläge endet dabei in einem Umkreis von 160 Kilometern.

Vor allem, wenn man auf Reisen ist, möchte man aber morgens nach Usern aus Berlin suchen und dann auch nach Mitgliedern aus Hamburg, um den ganzen Tag sich mit neuen Leuten verabreden zu können. So weiß man vielleicht schon, welches Date am Abend wartet. Auch wenn es sich dabei um eine Funktion handelt, die nur im Premium-Account mit 20 Euro Aufpreis vorhanden ist, so kann sie manchmal sehr hilfreich sein. Besonders beim Ausleben der Casual-Beziehung über die Dating-App ist die Funktion sehr hilfreich und erhöht die Chance auf ein Sextreffen ungemein.

Die Kompatibilität der „Social Discovery App“

Beim mobilen Dating kommt es besonders auf das Smartphone an. So muss man immer prüfen, ob die native Applikation auch von dem jeweiligen Betriebssystem unterstützt wird. In diesem Bereich ist es umso wichtiger, da es keine Desktop-Version der Flirtseite gibt. Eine Nutzung der Web-App im responsive Design über den Browser der Handys ist folglich auch nicht möglich.

Da bisher nur eine Anwendung für iOS- und Android-Handys zur Verfügung steht, müssen Nutzer von Blackberrys oder Windows Phones das Nachsehen haben. Sie haben keine Möglichkeiten die Flirt-App zu verwenden. Die User von iPhones müssen wenigstens iOS 7.1 verwenden, während Android-Smartphones die Version 4.0.3 bereitstellen müssen.

Wir haben die Funktionen auf einem iPad, einem iPhone 5 und einem Samsung Galaxy S 6 untersucht. Unsere Tester waren sehr zufrieden. Die Apps reagieren sehr schnell. Außerdem gab es keine Probleme mit Abstürzen. Auch waren wir überrascht, dass man sich sofort den Standpunkt von anderen Mitgliedern auf einer Karte ansehen kann. Im Gegensatz zu dem viel beschworenen Flirtradar von LOVOO öffnet sich diese deutlich schneller.

Auf den beiden Systemen, welche unterstützt werden, freuten sich unsere Tester über das unkomplizierte Flirten. Allerdings hinterlässt dieses Kriterium in unserer Bewertung ein eher gemischtes Bild, da alle User von Blackberrys und Windows Phones ganz von der Nutzung ausgeschlossen sind. Hier würden wir uns eine bessere Lösung wünschen.

Spaß vorbei? Die Kündigung der Mitgliedschaft

In puncto Beendigung des Plus-Accounts verhält sich das Portal sehr vorbildlich. Da man das Abonnement lediglich über den Apple- oder Google Play Store abschließen kann, muss es auch dort gekündigt werden. Es bedarf nur weniger Klicks in den Einstellungen des jeweiligen Shops, um die automatische Verlängerung zu deaktivieren. Dabei ist die Kündigung ohne irgendwelche Fristen möglich, man muss es nur innerhalb der eigenen Laufzeit schaffen.

Falls du außerdem noch den eigenen Account löschen möchtest, ist dies ebenfalls recht einfach über die Einstellungen der App möglich. Befolge folgende Schritte:

  • Klicke auf das Zahnrad, um zum Menü zu gelangen.
  • Tippe auf den Punkt „Konto löschen“
  • Bestätige den Vorgang.
  • Danach sollten eine Abmeldung und die automatische Löschung aller Daten erfolgen.

In diesem Bereich gibt es keinerlei Probleme. Falls es doch irgendwelche Schwierigkeiten gibt, steht auch ein Kundenservice zur Verfügung. Ein Kontaktformular gibt es auf der Homepage. Wir empfehlen jedoch die Anfrage in englischer Sprache zu verfassen, um zeitnah eine Rückmeldung zu erhalten. Beim Support gibt es aus unserer Sicht noch etwas zu verbessern.

Fazit des Erfahrungsberichts

Auf diese Plattform ist es sicherlich schwierig, seinen Seelenverwandten zu finden. An dieser Stelle eigenen sich Partnervermittlungen wie PARSHIP deutlich besser. Durch den umfangreichen Persönlichkeitstest kann man auch bei der Suche viel Zeit sparen. Wenn du also der großen Liebe begegnen möchtest, erzielst du dort bessere Ergebnisse.

Falls du jedoch eher schnell neue Singles aus deiner Umgebung ohne langen Nachrichtenverkehr kennenlernen willst, solltest du Tinder ausprobieren. Es handelt sich hier um eine spielerische Suche, die auch nebenbei in einer Pause sehr viel Spaß macht. Ein Treffen ist mit anderen aufgeschlossenen Mitgliedern schnell vereinbart und so sieht man sofort, ob die Chemie stimmt. Auch wenn es sich eher um etwas Lockeres handelt, kann man doch schöne Stunden zu zweit verbringen und vielleicht entwickelt sich aus der eher unverbindlichen Beziehung bald eine feste Partnerschaft. Hier ist alles möglich!

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